Auf Fried­hö­fen zu Gast

Wer hat Gogols Schä­del gestoh­len

Foto: Robert Jentzsch

Klei­ne Kul­tur­ge­schich­te des Todes im ortho­do­xen Russ­land · Fried­hofs­spa­zier­gangTeil 1:

„Ewi­ges Leben für einen Rubel“

Am Neu­jahrs­mor­gen vor hun­dert Jah­ren ist im rus­si­schen Nor­den der Pilz­samm­ler Iwan Petro­witsch berauscht und fried­lich für immer ein­ge­schla­fen. Drei Tage lang, so will es die Tra­di­ti­on, hat die Gemein­de getrau­ert, aber nun muss der teu­re Tote end­lich beer­digt wer­den – unmög­lich, denn im Dörf­chen herr­schen minus 40 Grad!

Glück­li­cher­wei­se sind Mascha, Mit­ja und Väter­chen,
drei Fried­hofs­bett­ler, wie man sie so nur in Russ­land kennt und schätzt, zur Stel­le …


Ler­nen Sie die rus­sisch-ortho­do­xe Bestat­tungs­kul­tur ken­nen in ihrer tie­fen, beein­dru­cken­den Mensch­lich­keit auf dem Lebe­ort aller Rus­sen, dem Friedhof!

Nach dem Buch
„Hier liegt Freund Pusch­kin – Spa­zier­gän­ge auf rus­si­schen Fried­hö­fen“ von Tat­ja­na Kuschtewskaja.

Text und Musik: Her­bert Fischer

Es spie­len
Annet­te Rich­ter · Her­bert Fischer · Chris­ti­an Mögel (v. l. n. r.)

Wer hat Gogols Schä­del gestoh­len

Foto: Robert Jentzsch

Klei­ne Kul­tur­ge­schich­te des Todes im ortho­do­xen
Russ­land · Fried­hofs­spa­zier­gangTeil 2:

„Pil­ze suchen“ oder „Von der rus­si­schen Seele“

Es will die Tra­di­ti­on, dass die Trau­er­ge­mein­de von Wolog­da, die den Pilz­samm­ler Iwan Petro­witsch auf unge­wöhn­li­che Wei­se unter die Erde brach­te, sich auf den Tag genau ein Jahr spä­ter trifft und ihm nach guter rus­sisch-ortho­do­xer Trau­er­kul­tur gedenkt: mit Freu­de und im Guten, auf dass sei­ne arme See­le „in jenem Licht“, wie die Rus­sen es zu sagen pfle­gen, sor­gen­frei weiterlebt. 

Das Pro­blem: Iwan Petro­wisch Bit­te, ihm zu Ehren am ers­ten Todes­tag ein Flie­gen­pilz­ra­gout zu kochen, mag man nicht nachkommen.

Glück­li­cher­wei­se sind Mascha, Mit­ja und Väter­chen,
drei Fried­hofs­bett­ler, wie man sie so nur in Russ­land kennt und schätzt, wie­der­um zur Stel­le …


Ler­nen Sie die rus­sisch-ortho­do­xe Bestat­tungs­kul­tur ken­nen in ihrer tie­fen, beein­dru­cken­den Mensch­lich­keit auf dem Lebe­ort aller Rus­sen, dem Friedhof!

Nach den Büchern 
„Hier liegt Freund Pusch­kin – Spa­zier­gän­ge auf rus­si­schen Fried­hö­fen“ von Tat­ja­na Kusch­tew­ska­ja,

„Flü­gel des Lebens · Lyrik, Pro­sa, Brie­fe“ von Dmi­trij Venevị­ti­nov (1805–1827),

„Betrach­tun­gen eines Pilz­jä­gers“ von Wla­di­mir Solouchin.

Text und Musik: Her­bert Fischer

Es spie­len
Annet­te Rich­ter · Her­bert Fischer · Chris­ti­an Mögel (v. l. n. r.)

Wer hat Gogols Schä­del gestoh­len

Foto: Robert Jentzsch

Klei­ne Kul­tur­ge­schich­te des Todes im ortho­do­xen
Russ­land · Fried­hofs­spa­zier­gangTeil 3:

„Ostern fei­ern auf dem Friedhof“

Rus­sen fei­ern ger­ne, Rus­sen fei­ern viel, am liebs­ten aber fei­ern sie das wich­tigs­te Fest des Jah­res, Ostern näm­lich, auf dem Friedhof: 

Schon Tage davor wird gekocht, geba­cken und aus­rei­chend Wein und Wod­ka gekauft, um am Oster­sonn­tag auf (!) den geschmück­ten Grä­bern der Ahnen aus­ge­las­sen zu essen, viel zu trin­ken, fröh­lich zu sin­gen und zu erzäh­len und so die Auf­er­ste­hung Jesu zu fei­ern, aber auch – das dan­ken wir der rus­sisch-ortho­do­xen Fried­hofs­tra­di­ti­on – von Oma und Opa und Onkel und Tan­te für einen Tag in den warm­her­zi­gen Geschich­ten über sie.

Undenk­bar für einen deut­schen Friedhof? 

Nein, denn Mascha, Mit­ja und Väter­chen, drei rus­si­sche Fried­hofs­bett­ler, wie man sie so nur in ihrem Land kennt und schätzt, haben alles mit­ge­bracht, was für die seli­ge Auf­er­ste­hung von Iwan Petro­witsch benö­tigt wird …


Ler­nen Sie die rus­sisch-ortho­do­xe Bestat­tungs­kul­tur ken­nen in ihrer tie­fen, beein­dru­cken­den Mensch­lich­keit auf dem Lebe­ort aller Rus­sen, dem Friedhof!

Nach den Büchern 
„Hier liegt Freund Pusch­kin – Spa­zier­gän­ge auf rus­si­schen Fried­hö­fen“ von Tat­ja­na Kusch­tew­ska­ja,

„In der Oster­nacht“ von Wla­di­mir Koro­len­ko (1853–1921).

Text und Musik: Her­bert Fischer 

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Annet­te Rich­ter · Her­bert Fischer · Chris­ti­an Mögel (v. l. n. r.)

Neun Rosen

Foto: Robert Jentzsch

Der neue Fried­hofs­spa­zier­gangTeil 1:

„Der Geschmack von Ewigkeit“

Was für ein wun­der­ba­rer Fund, der uns schmun­zeln und nach­den­ken lässt, lachen und wei­nen zugleich: 

Brunis Tage­buch, mit Weiß­sti­cke­rei ver­ziert und auf dem Trö­del­markt für einen lächer­li­chen Euro erwor­ben, gibt Aus­kunft über Men­schen, an die wir uns nicht mehr erin­nern, obwohl sie in unse­rem Leben eine Rol­le spielten: 

als Köchin bei­spiels­wei­se, als Spar­kas­sen­an­ge­stell­te, Kaba­ret­tis­tin, Bus­fah­re­rin, Jour­na­lis­tin, Desi­gne­rin, IME, Haus­frau oder oder … 

Kein Grab, kein Stein mit ihrem Namen erin­nert mehr an sie, nur die Fried­­hofsakte weiß, wer unter der gras­be­wach­se­nen Uneben­heit ver­gan­gen ist …


Eine Hom­mage an Men­schen, die wir ver­ges­sen haben, weil sie Leh­mann – Mei­er – Schul­ze hie­ßen und mit denen auch nach ihrem Tod kein Staat mehr zu machen war, obwohl sie ihr beschei­de­nes Leben lang den Staat gemacht haben auf ihre Weise …

Text: Her­bert Fischer
Gedich­te: Anna Rit­ter (1865–1921)
Musik: Jür­gen Magister

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Hei­ke Bitt­ner · Jür­gen Magis­ter · Her­bert Fischer (v. l. n. r.)

Ein Stern namens Mama

Foto: Robert Jentzsch

Eine berüh­ren­de, trau­ri­ge und den­noch erlö­send tröst­li­che Geschich­te über das Leben.

Mama wird ster­ben. Bald. Aber sie hat Loui­se ver­spro­chen, ein Zei­chen zu geben, wenn es soweit, „… damit wir uns von­ein­an­der ver­ab­schie­den kön­nen. Und bis dahin, tja, wisst ihr, genie­ßen wir die bes­se­ren Zei­ten: Ich besu­che Mama mit Papa und Oma und Opa, wann immer es geht, und wir reden über ihren Krebs! Wisst ihr, wir reden end­lich über Mamas Krebs, nie­mand schweigt mehr, wenn ich fra­ge, was Krebs ist, und die Erwach­se­nen tun nicht mehr wie frü­her, als wäre es nichts Erns­tes und Mama wür­de schon bald wie­der gesund. Wisst ihr, ich bin trau­rig, klar, so trau­rig, dass es ist, wie es ist, aber mir ist eine Last vom Her­zen gefal­len (Oma sagt das immer, und jetzt weiß ich, was sie damit meint)! Und jeden Tag habe ich neu Angst, dass Mama mir das Zei­chen gibt, aber … ich füh­le mich ein­fach nicht mehr wie frü­her, nicht mehr allein damit.

Da hält Mama mei­ne Hand fes­ter als sonst und flüstert:

Wenn wir ster­ben, mein Lieb­ling, wer­den wir Ster­ne – sieh mal, dort oben: Ich wer­de immer da sein, in dei­nem Her­zen und in dei­nen Gedanken.

Ich schaue in den Him­mel, lan­ge, und dann zu … Mami?“

Nach dem Buch
„Ein Stern namens Mama“ von Karen-Sus­an Fessel 

Spiel­fas­sung und Musik: Her­bert Fischer 

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Her­bert Fischer · Hei­ke Bitt­ner · Chris­ti­an Mögel · (v. l. n. r.)

Lothars Woh­nung 

Foto: Robert Jentzsch

oder 

„Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg“

Ein lite­ra­risch-­fo­to­gra­fi­sches Epos auf das Leben 

Wir haben uns ein­ge­rich­tet in unse­ren vier Wänden, und doch ist es nur ein Zuhau­se auf Zeit. Was von uns bleibt, sind Gegenstände, in denen unser eins­ti­ges Leben gespei­chert ist – Din­ge, die wich­tig waren, dass wir sie unse­rer klei­nen Lebe­welt erhal­ten haben, aber schon den eige­nen Kin­dern gel­ten die­se Land­mar­ken unse­rer Bio­gra­fie wenig, um einen mit Bedacht gewählten neu­en Platz in deren Dasein zu bekommen: 

„Der Hoch­zeits­strauß von Mama – auf­he­ben oder … weg?“

„Lothars Woh­nung“ oder „Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg“ erzählt lako­nisch-hei­ter, dass ein Nach­den­ken darüber, wie mit den überkommenen Hab­se­lig­kei­ten Ver­stor­be­ner umge­gan­gen wer­den soll­te, auch ein Nach­den­ken ist über die eige­ne End­lich­keit, und dass jeder Mensch tatsächlich ver­gan­gen ist, wenn nie­mand mehr an ihn denkt …

Nach den Büchern
„Lothars Woh­nung“ von Chris­toph Schie­der () und „Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg“ von Hans­-Jürgen Heinicke.

 

Spiel­fas­sung und Musik: Her­bert Fischer 

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Moritz Töp­fer (Musik) · Her­bert Fischer (v. l. n. r.)

Wie im Leben: Oma rief – Opa kam

Foto: Robert Jentzsch

Unglaub­li­che Todes­an­zei­gen zum (Tot)lachen

Sicher­lich – man kann sei­nen Lebens­abend im „Abend­rot“, einer güns­ti­gen, gleich­wohl aber belieb­ten Resi­denz auf Zeit, auch anders ver­brin­gen als Herr Lan­ger und Herr Fischer, aber deren täg­li­che Lek­tü­re von Todes­an­zei­gen ist ihnen zu einem Gesund­brun­nen gewor­den, mehr noch: zu ihrem Lebensinhalt!

Mit augen­zwin­kern­dem Stau­nen, mit­un­ter per­plex oder gar sprach­los, manch­mal wei­nend, aber auch schal­lend lachend wer­den authen­ti­sche Todes­an­zei­gen vor­ge­stellt, in denen von den Ange­hö­ri­gen Wor­te gewählt wur­den, die Aus­druck ihres Schmer­zes sind, ihrer Rat­lo­sig­keit, aber auch des Humors, der Melan­cho­lie und (gar nicht so sel­ten sogar!) der Erlö­sung der Betrof­fe­nen von­ein­an­der.

Nach den Büchern
„Aus die Maus“, „Wir sind unfass­bar“ und „Ich mach mich vom Acker“ von Chris­ti­an Sprang und Mathi­as Nöl­ke, „Die K‑Gedichte“ von Robert Gern­hardt, „Laut und Lui­se“ von Ernst Jandl und „Von­ne End­lich­kait“ von Gün­ter Grass

Spiel­fas­sung und Musik: Her­bert Fischer 

Es spie­len

Her­bert Fischer · Rob­by Lan­ger (v. l. n. r.)

Bäu­me gucken

Foto: Robert Jentzsch

oder

„Die sorg­fäl­ti­ge Feigherzigkeit“

Ein roman­tisch-bota­ni­scher Friedhofsspaziergang 

1819 zog Lud­wig Tieck (1773–1853), von sei­nen Apo­lo­ge­ten als „König der Roman­tik“ unbe­irrt gefei­ert, nach Dres­den, um sich hier in den nächs­ten 23 Jah­re flei­ßig um die Hege und Pfle­ge sei­nes eins­ti­gen Ruhms als Mit­be­grün­der einer neu­en deut­schen Lite­ra­tur zu küm­mern, vor allem aber der Her­aus­ga­be der Nach­läs­se bedeu­ten­der Dich­ter die­ser Zeit wie Kleist, Nova­lis, Lenz oder auch der Schlegel’schen Über­tra­gun­gen Shakespeare’scher Werke.

Und da es immer sym­pa­thisch ist, sich des Gro­ßen zu erin­nern, erin­nern wir des Klei­nen aber auch: Der längst und zu recht ver­ges­se­ne Dresd­ner Dich­ter Otto Hein­rich Graf von Loeben (1786–1825), eine Art leben­de Schuh­bürs­te im Tieck’schen Haus­stand, lässt für Sie – bäu­me­gu­ckend unter frei­em Him­mel – den berühm­ten lite­ra­ri­schen Salon sei­nes Meis­ters auf­er­ste­hen und Sie die Wesens­zü­ge der Schwar­zen Roman­tik mit allen Sin­nen genießen …

Nach der Novel­le
„Lie­bes­zau­ber“ von Lud­wig Tieck und mit Gedich­ten von Otto Hein­rich Graf von Loeben.

Spiel­fas­sung: Her­bert Fischer 

Es spielt
Rob­by Lan­ger, beglei­tet von illus­tren Gästen

Die bes­ten Beer­di­gun­gen der Welt

Illus­tra­ti­on: Eva Eriks­son · Fotos: Cor­ne­lia Borkert

Für Men­schen­kin­der jeden Alters, die zwei Augen haben, zwei Ohren und ein gro­ßes Herz

Ihr müsst wis­sen: Ester ist mei­ne gro­ße Schwes­ter und ich habe sie lieb, auch wenn sie eben eine tote Hum­mel gefun­den hat. 

Eine tote Hummel!

Des­halb will Ester ein Beer­di­gungs­in­sti­tut grün­den: „Für alle toten Tie­re, die sonst kei­ner beach­tet“, sagt sie, „wol­len wir die bes­ten Beer­di­gun­gen der Welt ausrichten!“

Ihr müsst wis­sen: Ich weiß nicht, was ein Beer­di­gungs­in­sti­tut ist, aber ich hel­fe Ester beim Gra­ben – so ein tie­fes Loch, toll!

Und wisst Ihr was? Beim Gra­ben fällt mir ein Gedicht ein, ein schö­nes, trau­ri­ges Gedicht (ich dich­te näm­lich ger­ne), und Put­te, mein klei­ner Bru­der, heult mal wie­der, und das ist ins­ge­samt herrlich!

„Zack!“, sagt Ester schließ­lich, „fer­tig ist die ers­te bes­te Beer­di­gung der Welt!“ und greift zum Telefon …

Nach dem Buch
„Die bes­ten Beer­di­gun­gen der Welt“ von Ulf Nils­son und Eva Eriksson.

Spiel­fas­sung und Lie­der: Her­bert Fischer 

Es spie­len
Rob­by Lan­ger (Bass) · Her­bert Fischer (Uku­le­le) · Max Goe­ltz (Schlag­werk)